Branchenausblick

Passagierverkehr wird im Geschäftsjahr 2026 voraussichtlich weiter wachsen

Die International Air Transport Association (IATA) geht davon aus, dass der globale Passagierverkehr – gemessen an den weltweit verkauften Passagierkilometern – im Jahr 2026 trotz geopolitischer Krisen und erheblicher Lieferengpässe bei neuen Flugzeugen eine Wachstumsrate von 5 % gegenüber Vorjahr aufweisen wird (Vorjahr: 5 %).

Der stärkste Zuwachs wird mit jeweils 7 % für die Regionen Asien/Pazifik und Lateinamerika erwartet, gefolgt vom Nahen Osten und Afrika mit jeweils 6 %. Für Europa wird ein Wachstum von 4 % und für Nordamerika von 2 % prognostiziert.

Für die europäischen Fluggesellschaften erwarten die Finanzanalystinnen und -analysten im Jahr 2026 eine solide Nachfrage, die im Langstreckenverkehr durch den anhaltend starken Premium-Tourismus getrieben wird. Im innereuropäischen Verkehr hingegen ist davon auszugehen, dass aufgrund des starken Wettbewerbs unter den Airlines die Preisentwicklung für Flugtickets im Vergleich zum Vorjahr eher stabil verläuft. Insgesamt scheint sich der Trend fortzusetzen, dass die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher für Reisen ausgesprochen hoch ist. Folglich dürfte sich die Reisenachfrage besser entwickeln, als es die allgemeine Lage der europäischen Wirtschaft derzeit vermuten lässt.

Neben einer soliden Nachfrageentwicklung ist gleichzeitig davon auszugehen, dass die Angebotsseite weiterhin beschränkt bleibt – beispielsweise durch fehlendes Personal an Flughäfen, in der Flugsicherung und bei Airlines sowie durch Verspätungen bei der Auslieferung neuer Flugzeuge. Dementsprechend bleibt das Kapazitätswachstum weiterhin limitiert durch externe Faktoren und wird 2026 wohl ähnlich moderat ausfallen wie im Vorjahr. Auch wenn die Ausfälle der Pratt-&-Whitney-GTF-Motorfamilie weitestgehend überwunden werden, wird der innereuropäische Verkehr nicht im gleichen Maße wachsen wie der Interkontinentalverkehr, wo die Kapazität voraussichtlich um mindestens 5 % steigen wird. In der Nordatlantikregion dürften die Durchschnittserlöse für europäische Airlines trotz eines derzeit stark verknappten Angebots aufgrund des aktuell schwachen US-Dollars sowie anhaltender politischer Volatilität nur leicht steigen. Für die südatlantischen Verkehre hingegen erwartet der Kapitalmarkt eine Fortführung des Nachfragebooms bei anhaltend starker Zahlungsbereitschaft der Kunden.

Das Bild in Asien und insbesondere in China hat sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren zunehmend stabilisiert. Dank makroökonomischen Herausforderungen und einem Kapazitätszuwachs weit über dem Branchendurchschnitt haben europäische Fluggesellschaften ihr Angebot entsprechend gedrosselt und auf die profitabelsten Routen beschränkt. Andere Regionen in Asien, wie beispielsweise Indien, Thailand oder Japan, spielen hingegen eine immer größere Rolle für europäische Airlines.

Hinsichtlich der Entwicklung der Durchschnittserlöse im Passagiergeschäft rechnet die IATA für das Jahr 2026 mit einem Rückgang um 0,1 % gegenüber Vorjahr (Vorjahr: Rückgang um 0,9 %).

Luftfrachtverkehr soll im Jahr 2026 weiter wachsen 

Für den weltweiten Luftfrachtverkehr rechnet die IATA für das Jahr 2026 mit einem Wachstum der verkauften Fracht-Tonnenkilometer, analog zum Vorjahr, um 3 % (Vorjahr: Wachstum um 3 %).

Für die Durchschnittserlöse im Frachtgeschäft wird für 2026 erneut ein leichter Rückgang um 0,5 % erwartet (Vorjahr: Rückgang um 0,5 %).

Branchen-Nettoergebnis wird auf 41 Mrd. USD prognostiziert

Für das Nettoergebnis der Branche wird mit einem Gewinn von 41,0 Mrd. USD gerechnet (Vorjahr: 39,5 Mrd. USD).

Weiteres Wachstum im MRO-Markt erwartet

Die Luftfahrtindustrie befindet sich in einer Transformationsphase von den gängigen Flugzeugmustern hin zu neuen, effizienteren Technologien. Die führenden Flugzeughersteller erreichen allerdings aufgrund von Lieferkettenproblemen noch nicht die ursprünglich geplanten Produktionsraten, was die beiden größten Flugzeughersteller Boeing und Airbus gleichermaßen betrifft.

Zudem müssen die neuen Triebwerkstechnologien, wie die Pratt-&-Whitney-GTF-Motorfamilie und die LEAP-Motorfamilie von CFM International, mit behördlich angeordneten Upgrades und Modifikationen nachgerüstet werden. Dies hat zur Folge, dass diese Triebwerke der neuen Generation früher als erwartet in die noch im Aufbau befindlichen Reparaturnetzwerke integriert werden müssen. Gleichzeitig besteht eine weiterhin hohe Nachfrage nach Wartungsleistungen für Triebwerke der alten Generation, da sich die Fluggesellschaften gezwungen sehen, diese länger zu nutzen. Darüber hinaus steigt die Nachfrage nach Wartungs- und Reparaturleistungen aufgrund der anhaltend starken Nachfrage nach Flugreisen.

Gemäß der Prognose des Beratungsunternehmens ICF wird für das Jahr 2026 ein globales Wachstum des MRO-Marktes (ohne Embargoländer) von 6 % gegenüber dem Vorjahr erwartet. Die Wachstumsraten in den einzelnen Regionen liegen bei 11 % für Amerika, 7 % für Asien/Pazifik und 2 % für Europa, dem Mittleren Osten und Afrika. Allerdings kann dieses Wachstum auch weiterhin durch äußere Einflüsse wie geopolitische Faktoren, Zölle, Inflation oder Lieferketteninstabilität signifikant beeinflusst werden.