Risiken in der Einzelbetrachtung
In der nachfolgenden Tabelle sind die Top-Risiken der Lufthansa Group dargestellt. Diese umfassen alle quantitativen A- und B-Risiken sowie alle qualitativen Risiken mit einer Bewertung „kritisch“ oder mindestens „wesentlich“ und „hoch“ in der Reihenfolge ihrer Bedeutung. Ausführliche Erläuterungen finden sich in den folgenden Abschnitten.
| T043 | Top-Risiken Lufthansa Group1) | |||
|---|---|---|---|---|
| Bedeutungsgrad | Ausprägungsform | Veränderung zum Vorjahr7) | ||
| Quantitative Risiken | ||||
| ↗ Treibstoffpreisänderungen | kritisch | sehr hoch | → | |
| ↗ Erlösrisiken | kritisch | sehr hoch | → | |
| ↗ Risiko der Nichterreichung der Kosteneinsparungsziele | kritisch | sehr hoch | → | |
| ↗ Personalrisiken2) | kritisch | sehr hoch | ↑ | |
| ↗ Cyber- und IT-Risiken | kritisch | mittel | → | |
| ↗ Verstöße gegen Compliance-Anforderungen und Datenschutzvorschriften | kritisch | mittel | → | |
| ↗ Zusatzzölle auf Flugzeugimporte | kritisch | mittel | ↑ | |
| ↗ Wechselkursänderungen | wesentlich | sehr hoch | → | |
| ↗ Risiko aus internen und externen betrügerischen Aktivitäten3) | wesentlich | sehr hoch | ↑ | |
| ↗ Emissionshandelsrisiko4) | wesentlich | sehr hoch | ↑ | |
| ↗ Strategische Flottendimensionierung5) | wesentlich | hoch | → | |
| ↗ Risiken aus Unregelmäßigkeiten im Flugbetrieb (inkl. Reputation) | moderat | sehr hoch | ↓ | |
| Qualitative Risiken | ||||
| ↗ Krisen, Krieg, politische Unruhen, Terroranschlag oder Naturkatastrophen | kritisch | hoch | → | |
| ↗ Pandemische Erkrankungen | kritisch | mittel | → | |
| ↗ Flugbetriebsrisiken (mit Risiken der Informationssicherheit) | kritisch | gering | → | |
| ↗ Regulative Risiken, die aus dem Klimawandel resultieren | wesentlich | sehr hoch | → | |
| ↗ Risiken im Geschäftsfeld Lufthansa Technik6) | wesentlich | sehr hoch | → | |
| ↗ Personalrisiken2) | wesentlich | hoch | → | |
| ↗ Lieferantenrisiko | wesentlich | hoch | → | |
| 1) Im Vergleich zum Jahr 2024 zählt das Risiko "Verschärfung der Lärmgesetzgebung" nicht mehr zu den Top-Risiken. 2) Unterschiedliche Treiber führen zur Bewertung als quantitatives und qualitatives Risiko. 3) Aufgrund einer höheren Risikoeinschätzung gegenüber dem Vorjahr wird das "Risiko aus internen und externen betrügerischen Aktivitäten" als Top-Risiko eingestuft. 4) Das "Emissionshandelsrisiko" umfasst nun auch das CORSIA-Risiko (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation). 5) Das Risiko "Strategische Flottendimensionierung" wurde von qualitativ in quantitativ geändert. 6) Risikobewertung auf Geschäftsfeldebene. 7) Die angezeigte Veränderung beschreibt die Entwicklung der jeweiligen Risikoeinschätzung im Vergleich zum Vorjahr. |
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Gesamtwirtschaftliche Risiken
Unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die Prognose der Lufthansa Group für das Jahr 2026 basiert auf der Erwartung, dass die künftigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie Branchenentwicklungen der Darstellung im ↗ Prognosebericht entsprechen. Sollte sich die Weltwirtschaft schlechter als prognostiziert entwickeln, wird dies die Geschäftsentwicklung der Lufthansa Group voraussichtlich negativ beeinflussen.
Risiken mit potenzieller Auswirkung auf das Weltwirtschaftswachstum und damit auf den Absatz der Lufthansa Group entstehen insbesondere aus dem weiteren Verlauf des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, der instabilen Lage im Nahen Osten und der möglichen weltweiten Ausweitung protektionistischer Maßnahmen.
Krisen, Kriege, politische Unruhen und Naturkatastrophen
Die Sicherheitslage, das Risiko terroristischer Angriffe auf den Luftverkehr sowie die zunehmende Gefahr hybrider Bedrohungen und gezielter Sabotageakte gegen die Luftverkehrsinfrastruktur können konkrete Auswirkungen auf Geschäftsaktivitäten und die Sicherheit des Flugbetriebs, der Mitarbeitenden sowie der Vermögenswerte der Lufthansa Group haben.
Die angespannte Lage im Nahen Osten mitsamt der militärischen Eskalation zwischen Israel und dem Iran sowie dem Konflikt zwischen Indien und Pakistan im vergangenen Jahr hatte signifikante Auswirkungen auf die globale Sicherheit und stellte eine Herausforderung für die Lufthansa Group dar.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und dadurch ausgelöste Sanktionen, inklusive eventueller Gegenmaßnahmen, haben weiterhin Auswirkungen auf die Entwicklung der Weltwirtschaft und können einen Anstieg der Preise wichtiger Ressourcen wie Öl und Gas bewirken. Die Destabilisierung der Region sowie die anhaltenden Spannungen zwischen Russland und den Staaten der NATO beziehungsweise der EU können auch mittel- und langfristig zu Belastungen und operativen Einschränkungen führen.
Hybride Bedrohungen, also die Kombination aus konventionellen militärischen Mitteln, Cyber-Angriffen, Desinformationskampagnen und wirtschaftlichem Druck, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Sie können die Luftfahrtbranche direkt oder indirekt betreffen, etwa durch die Störung des Flugbetriebs mittels Drohnen, Angriffe auf IT-Systeme und die kritische Kommunikationsinfrastruktur oder durch gezielte Manipulation von Lieferketten.
Zudem besteht aufgrund geopolitischer Entwicklungen ein steigendes Risiko von Sabotageakten im Bereich Verkehrsinfrastruktur und Kritische Infrastruktur, insbesondere durch staatlich gesteuerte oder unterstützte Akteure. Solche Angriffe können physische Schäden an Flughäfen, Navigationssystemen oder der Treibstoffversorgung verursachen und damit den Flugbetrieb erheblich beeinträchtigen.
Zur Risikoanalyse, -überwachung und -steuerung betreibt die Lufthansa Group ein ganzheitliches Monitoring der weltweiten Sicherheitslage und aktueller Entwicklungen, die Auswirkungen auf sie haben können. Die Lufthansa Group erstellt fortlaufend umfassende Sicherheitsanalysen und entwickelt diese stetig weiter, um Entwicklungen bereits im Vorfeld einzuschätzen und Präventivszenarien für den Fall etwaiger Beeinträchtigungen zu entwerfen. Hierbei kann auf ein umfangreiches Netzwerk aus nationalen und internationalen Sicherheitsbehörden und auf spezialisierte Beratungsunternehmen zurückgegriffen werden.
Potenzieller finanzieller Schaden kann durch Primäreffekte wie den Ausfall einzelner Destinationen, aber auch durch Sekundäreffekte wie einen Rückgang von Passagierzahlen, höhere Versicherungsprämien, Mehraufwand für Treibstoff wegen Luftraumsperrungen oder Verknappung der Rohstoffversorgung oder höhere gesetzliche Sicherheitsanforderungen entstehen.
Eine weitere Verschärfung der Sicherheitslage – etwa durch eine weitere Eskalation des russischen Angriffskriegs oder großangelegte Cyber-Angriffe – kann Auswirkungen auf den Versicherungsschutz von Fluggesellschaften weltweit haben. Insbesondere droht der sofortige Ausschluss des Versicherungsschutzes bei direkten Kriegshandlungen zwischen den Staaten Russland, USA, China, Großbritannien und Frankreich sowie auch bei den Bündnisfall auslösenden Ereignissen nach Art. 5 des NATO-Vertrags. Um diesem Risiko zu begegnen und um die Fortführung der Flugbetriebe sicherzustellen, sind die Gesellschaften der Lufthansa Group in Gesprächen mit den Regierungen und Luftfahrtbehörden in den jeweiligen Heimatmärkten.
Der zivile Luftverkehr bleibt aufgrund seiner hohen Symbolwirkung weiterhin potenzielles Ziel terroristischer Aktionen. Militärisch ausgetragene Konflikte zwischen Staaten stellen ein hohes Risiko dar, insbesondere wenn diese kurzfristig und außerhalb klar umrissener Grenzen stattfinden. Aufgrund der Bedrohung durch Flugabwehrsysteme sowie steigende Militäraktivitäten erfordern Flüge über Krisengebiete weiterhin umfassende Maßnahmen zur Risikobewertung und
-steuerung. Die Anforderungen an die Sicherheitsorganisationen international operierender Unternehmen steigen stetig angesichts des politischen Umfelds und fortlaufend neuer technischer Entwicklungen. Zunehmende Sicherheitsauflagen infolge erhöhter Gefährdungen, aber auch Verschärfungen der weltweiten Einreisebestimmungen für Passagiere können zu weiteren Einschränkungen im internationalen Luftverkehr und damit zu Belastungen der Luftverkehrswirtschaft führen.
Das zunehmende Engagement der Lufthansa Group im Bereich Defense erhöht das Risiko, potenzielles Ziel von Aggressoren zu werden. Zudem ist die Lufthansa Group internen und externen Bedrohungen wie Wirtschaftskriminalität, Spionage oder Sabotage ausgesetzt, die zu Reputationsschäden, finanziellen Belastungen und operativen Beeinträchtigungen führen können.
Für die Bewertung standortbezogener sicherheitsrelevanter Ereignisse wird ein Qualitätsmanagementsystem genutzt, das der kontinuierlichen Bewertung lokaler Sicherheitsverfahren für den laufenden Betrieb und bei Neuanflügen dient. Im Rahmen risikobasierter Audits werden die Standorte regelmäßig auf Luftsicherheits- und Länderrisiken vor Ort überprüft, um die Konformität mit nationalen, europäischen und internationalen Luftsicherheitsgesetzen sowie den internen Sicherheitsstandards der Lufthansa Group zu gewährleisten.
Pandemien und Epidemien
Das Risiko von Pandemien und Epidemien steigt unter anderem aufgrund von zunehmender Urbanisierung, dem Klimawandel und Migrationsbewegungen an. Durch epidemische, pandemische oder sonstige Ausbreitungsmuster wie Bioterrorismus drohen hohe Krankheitsraten in verschiedenen Ländern, Regionen oder Kontinenten. Dies kann kurz-, mittel- und langfristig dazu führen, dass die Nachfrage nach Flugreisen aus Angst vor einer Ansteckung drastisch sinkt, wie im Jahr 2020 aufgrund der pandemischen Ausbreitung des Coronavirus in dramatischer Ausprägung erkennbar war. Zudem ist es möglich, dass Mitarbeitende aus Angst vor einer Ansteckung nicht bereit sind, in betroffene Länder zu fliegen und dass Mitarbeitende vor Ort diese Länder verlassen wollen. Durch potenziell hohe Krankheitsraten der Mitarbeitenden kann der operative Betrieb gefährdet sein. Ebenso können behördliche Reiserestriktionen zu operativen Einschränkungen und wirtschaftlichen Belastungen durch eine reduzierte Nachfrage führen.
Der Medizinische Dienst der Lufthansa Group prüft kontinuierlich relevante Informationen im Rahmen eines Epidemiological-Intelligence-Prozesses. Eigene infektiologisch und epidemiologisch geschulte Mitarbeitende bewerten hierzu die Informationen der verschiedenen Frühwarnsysteme im Hinblick auf eine mögliche Relevanz für die Lufthansa Group. Mitarbeitende werden intensiv informiert, Risikogruppen erhalten bei Bedarf persönliche Schutzausrüstung und in der gesamten Lufthansa Group werden jährlich präventive Impfkampagnen gegen Influenza angeboten. Fluggäste und Mitarbeitende werden durch ein situationsangepasstes Schutzkonzept, das auf dem Pandemieplan der Lufthansa Group basiert, bestmöglich vor Ansteckung bewahrt.
Branchenspezifische Risiken
Markt- und Wettbewerbsentwicklung
Das Wachstum der Luftfahrtbranche hängt in besonderem Maße von der geopolitischen Stabilität sowie der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ab. Auf der Nachfrageseite haben sich im Nachgang der Corona-Pandemie, insbesondere infolge eines reduzierten Geschäftsreiseverkehrs, Strukturen teils nachhaltig verändert. Darüber hinaus können sich regulatorische Anforderungen im Bereich des Klimaschutzes dämpfend auf die Nachfrageentwicklung auswirken und auch die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine und die hierdurch erforderlichen Anpassungen von Flugrouten können einen Einfluss auf die Nachfrage haben. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass in den betroffenen Märkten die Nachfrageentwicklung langfristig geringer ausfallen wird als in der Vergangenheit. Hinzu kommen angebotsseitige Engpässe wie Infrastrukturbegrenzungen und Einschränkungen bei den Lieferketten, die sich zusätzlich dämpfend auf die Entwicklung des Luftverkehrs auswirken. Gleichzeitig ist der europäische Airline-Markt anhaltend von einem intensiven Wettbewerb sowie einem hohen Kostendruck geprägt. Es ist davon auszugehen, dass der bereits bestehende Kostenwettbewerb sich in großen Teilen des Airline-Markts infolge des veränderten Marktumfelds weiter verschärfen wird.
Erlösrisiken
Für die gesamte Lufthansa Group bestehen Erlösrisiken. Die Unsicherheit hinsichtlich der zukünftigen Marktentwicklung bleibt hoch. Trotz rückläufiger Inflation wirken sich das weiterhin erhöhte Preisniveau, das moderate globale Wirtschaftswachstum sowie anhaltende geopolitische Spannungen dämpfend auf die Nachfrage aus und erschweren die Prognostizierbarkeit der Erlöse. Zusätzlich ergeben sich Risiken aus möglichen Überkapazitäten, konjunkturellen Schwankungen, der globalen Wettbewerbsentwicklung, einem möglichen veränderten Kundenverhalten sowie weiteren unvorhersehbaren geopolitischen Ereignissen. Kurzfristig kann diesen Risiken durch eine kontinuierliche Überwachung der Buchungsentwicklung und eine flexible Kapazitätsplanung begegnet werden. Darüber hinaus werden Vertriebs-, Produkt- und Kostensenkungsmaßnahmen umgesetzt.
Risiken aus Unregelmäßigkeiten im Flugbetrieb
Ein hohes Verkehrsaufkommen und ungünstige Wetterbedingungen können zu Kapazitätsengpässen bei Infrastrukturanbietern und bei der Flugsicherung führen, die sich auf die Bewältigung des Flug- und Passagieraufkommens auswirken. Zudem können Engpässe bei der Lieferung von Flugzeugen, Triebwerken und Ersatzteilen dazu beitragen, dass temporär weniger Flugzeuge als planerisch vorgesehen einsatzfähig sind. Solche Engpässe an einsetzbaren Flugzeugen stellen Risiken dar, da sie zu Flugplanänderungen, Verspätungen und Flugstreichungen führen und die Kundenzufriedenheit beeinträchtigen können. Infolgedessen können Umsatzeinbußen sowie zusätzliche Kosten für Entschädigungen entstehen. Um die Risiken zu minimieren und deren Auswirkungen zu reduzieren, werden Prozesse und Flugpläne fortwährend optimiert.
Risiken im Geschäftsfeld Technik
Lufthansa Technik ist im Bereich Maintenance, Repair & Overhaul (MRO) anspruchsvollen Marktbedingungen ausgesetzt. In einem durch hohe Nachfrage nach MRO-Leistungen gekennzeichneten Marktumfeld führen politische Krisen, militärische Konflikte sowie hohe Inflationsraten zu einer Ergebnisbelastung, die schwer prognostizierbar und nicht immer kompensierbar ist. Politische Krisen, militärische Konflikte sowie hohe Inflationsraten wirken sich dagegen belastend auf die Marktentwicklung aus und machen diese volatil sowie schwer prognostizierbar.
Trotz Gegenmaßnahmen und angekündigter Ausnahmen für Flugzeugteile belasten die US-Strafzölle das MRO-Geschäft weiterhin stark, da die Umsetzung der Ausnahmeregelungen in der Praxis nur eingeschränkt greift.
Die angespannte Materialversorgung bei verschiedenen Triebwerkstypen neuester Generation führt zu höheren Wartungsaufwänden und Durchlaufzeiten und damit letztendlich zu einer außergewöhnlich hohen Nachfrage nach MRO-Leistungen. Es ist damit zu rechnen, dass sich diese Situation bis zum Ende der Dekade wieder normalisiert. Erhebliche Risikofaktoren stellen jedoch einerseits makroökonomische Rahmenbedingungen, andererseits betriebliche Herausforderungen innerhalb der Produktionssysteme dar.
Die zunehmende Nutzung digitaler Plattformen für die Planung und Steuerung der MRO-Prozesse wirkt sich grundlegend auf die Kundenbeziehungen aus. Etablierte Marktteilnehmer und neue Wettbewerber streben an, den MRO-Markt durch datenbasierte Dienstleistungen und digitale Kompetenzen zu transformieren. In diesem Zusammenhang ergibt sich ein nennenswertes Risiko im Bereich der Cyber-Sicherheit für Lufthansa Technik durch die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung der MRO-Prozesse. Da sensible Daten und Geschäftsprozesse immer weiter digitalisiert und über verschiedene Plattformen verarbeitet werden, steigt die Anfälligkeit für Cyber-Angriffe.
Unternehmensspezifische Risiken
Risiko der Nichterreichung der Kostensenkungsziele
Die Lufthansa Group strebt kontinuierlich Verbesserungen der Kostenbasis, der Produktivität und der Effizienz an. Die identifizierten Verbesserungsziele sind Teil der Planung der Geschäftsbereiche und werden im Rahmen des Konzernplanungsprozesses detailliert besprochen. Es besteht das Risiko, dass die erwarteten Verbesserungen nicht vollständig oder später als geplant realisiert werden. Das gilt beispielsweise für die zu erzielenden Vereinbarungen mit Betriebs- und Tarifpartnern sowie Systempartnern und Lieferanten. Zusätzlich besteht das Risiko, dass verspätete Flugzeuglieferungen die geplanten Effizienzgewinne verzögern. Weiterhin kann nicht ausgeschlossen werden, dass im Jahresverlauf nicht ausreichend zusätzliche Potenziale identifiziert werden, um die Ziele zu erreichen. Um ein frühzeitiges Gegensteuern zu ermöglichen, wird die Gesamtkostenentwicklung regelmäßig mit den Geschäftsbereichen und im Vorstand überprüft.
Zusatzzölle auf Flugzeugimporte
Die Lufthansa Group sieht sich einem potenziellen Risiko durch die Wiederaufnahme von Zusatzzöllen auf Importe von Flugzeugen ausgesetzt. Zwar sind die Zusatzzölle der EU auf Flugzeugimporte aus den USA derzeit ausgesetzt, jedoch könnte eine Änderung der handelspolitischen Ausrichtung der US-Regierung jederzeit zu deren Wiedereinführung führen. Die Gegenmaßnahmen der EU sind in diesem Kontext bekannt und temporär ausgesetzt. Solche wechselseitigen Schritte würden die Beschaffungskosten erhöhen und die Finanz- und Investitionsplanung der Lufthansa Group belasten. Angesichts der politischen Unvorhersehbarkeit beobachtet das Unternehmen die Entwicklungen auf EU- und US-Seite aufmerksam, um flexibel und frühzeitig reagieren zu können.
Personal
Arbeitskämpfe
Infolge offener Tarifverträge mit verschiedenen Beschäftigtengruppen innerhalb der Lufthansa Group besteht grundsätzlich ein Risiko von Arbeitskämpfen. Diese können zu Reputationsschäden und spürbaren wirtschaftlichen Belastungen für die Lufthansa Group führen. Demgegenüber könnte die Durchsetzung von gewerkschaftlichen Forderungen in einer Steigerung der Personalkosten münden.
Hervorzuheben sind die Flugbetriebe der Deutschen Lufthansa AG und der Lufthansa Cargo AG. Hier ist die Friedenspflicht für die Tarifverträge zur betrieblichen Altersversorgung des Cockpitpersonals sowie der Manteltarifvertrag für die Kabinenbeschäftigten mit Wirkung zum 31. Dezember 2024 ausgelaufen. Die Versorgungsverhandlungen im Bereich Cockpit wurden als gescheitert erklärt und eine Urabstimmung durchgeführt. Die Gewerkschaftsmitglieder stimmten hierbei mehrheitlich für die Durchführung von Arbeitskampfmaßnahmen.
Daneben bestehen auch in anderen Flugbetrieben der Lufthansa Group Streikrisiken. So wurde beispielsweise Lufthansa Cityline sowohl von der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit e.V. (VC) als auch von der Gewerkschaft Unabhängige Flugbegleiter Organisation e.V. (UFO) zur Aufnahme von Verhandlungen über einen tariflichen Sozialplan aufgerufen. Zudem befinden sich bei Lufthansa Cityline unter anderem der Vergütungstarifvertrag des Cockpitpersonals und der Manteltarifvertrag des Kabinenpersonals in gekündigtem Zustand. Streikrisiken bestehen daneben im Hinblick auf die betriebliche Altersversorgung bei Eurowings. Ein Ausstrahlen dieser Tarifauseinandersetzungen auf andere Betriebe ist ebenfalls nicht auszuschließen.
Bei Austrian Airlines hat sich nach konfliktreichen Verhandlungen das Streikrisiko aufgrund des Abschlusses des Kollektivvertrags für das Bordpersonal im Jahr 2024 mit einer Laufzeit bis 2026 merklich reduziert. ↗ Mitarbeitende.
Kooperation von Betriebs- und Tarifpartnern
Eine vertrauensvolle und effektive Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern bildet die Voraussetzung für den Erfolg struktureller Maßnahmen und damit die Grundlage für den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens. Der angespannte Arbeitsmarkt und die demografische Entwicklung erfordern eine strategische Ausrichtung, die sowohl den steigenden Bedarf an Fachkräften als auch die Umsetzung von Effizienzmaßnahmen adressiert. Diese parallelen Anforderungen stellen hohe Ansprüche an Flexibilität und Veränderungsbereitschaft sowie an die Zusammenarbeit mit der Mitbestimmung. Durch eine vorausschauende und lösungsorientierte Zusammenarbeit können Herausforderungen gemeistert und Impulse für weiteres Wachstum genutzt werden. Im Jahr 2026 stehen außerdem Maßnahmen zur Erhöhung der Produktivität und Flexibilität im Fokus der Lufthansa Group, die auch mit einem Abbau von Stellen verbunden sind.
Der kontinuierliche Dialog mit den Sozialpartnern schafft dabei insbesondere in herausfordernden Zeiten ein stabiles Fundament, um kreative und praxisnahe Lösungen zu entwickeln, die sowohl den wirtschaftlichen Erfolg als auch die Mitarbeiterzufriedenheit fördern. Ziel der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Zusammenarbeit ist es, eine gemeinsame Basis zu schaffen, auf der Entscheidungen zügig getroffen und Veränderungsprozesse effizient gestaltet werden können.
Arbeitgeberattraktivität
Eine hohe Arbeitgeberattraktivität ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die nachhaltige Sicherstellung der Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Sie beeinflusst maßgeblich die Fähigkeit, qualifizierte Fach- und Führungskräfte zu gewinnen, zu binden und weiterzuentwickeln. Zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität und zur Stärkung des Engagements der Mitarbeitenden hat die Lufthansa Group die Beschäftigungsbedingungen zusammen mit den Sozialpartnern überarbeitet. Gleichzeitig schärft das Unternehmen seine Employer-Branding- und HR-Marketingaktivitäten durch eine konsistente Markenpräsenz. Recruitingprozesse sowie zentrale berufliche Schlüsselerlebnisse – etwa beim Onboarding – werden kontinuierlich optimiert. Dazu werden verschiedene Ausbildungs-, Studien- und Traineeprogramme sowie Programme zur Fort- und Weiterbildung angeboten. Talente werden in verschiedenen Berufsgruppen national und international gefördert sowie systematisch vernetzt.
Personalstruktur
Diskrepanzen zwischen strategischem Mitarbeiterbedarf, vorhandenen Kompetenzen der Mitarbeitenden sowie deren jeweiliger Verteilung über die Gesellschaften innerhalb der Lufthansa Group stellen ein strukturelles Personalrisiko dar. Die Lufthansa Group wird im Jahr 2026 wieder eine hohe Anzahl von neuen Mitarbeitenden rekrutieren. Sowohl die Recruitingmaßnahmen als auch die fachliche Integration der neuen Mitarbeitenden stellen die Organisation vor eine große Herausforderung. Es besteht das Risiko von Frustration aufgrund von langen Recruitingprozessen und ineffizienter Einarbeitung. Diesem Risiko begegnet die Lufthansa Group mit einem konzernweiten Steuerungsgremium für Recruiting- und Talentförderungsmaßnahmen, strategischer Personalplanung sowie der Fortsetzung verstärkter Employer-Branding- und Recruitingaktivitäten.
Lieferantenrisiken
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der aktuellen geopolitischen Lage und Störungen in den Lieferketten betreffen auch die Lieferanten der Lufthansa Group. Insofern besteht das Risiko, dass es zu Störungen der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen kommt und somit die Geschäftskontinuität gefährdet ist. Darüber hinaus besteht das Risiko von signifikanten Preissteigerungen.
Der Einkauf der Lufthansa Group identifiziert gemeinsam mit den verantwortlichen Fachbereichen die für die Sicherstellung des Geschäftsbetriebs kritischen Lieferanten und bewertet das jeweils bestehende Risiko. Um dem Risiko einer Lieferunterbrechung oder einer Preiserhöhung rechtzeitig zu begegnen, erfolgt ein regelmäßiger Austausch mit relevanten Lieferanten. Identifizierte Risiken werden im jährlich durchgeführten Strategieprozess des Einkaufs erfasst und geeignete Maßnahmen werden festgelegt. Weiterhin werden gezielt geeignete Instrumente eingesetzt, wie zum Beispiel angepasste Zahlungsbedingungen, regelmäßige Vertragsüberprüfungen, die Identifikation von Alternativlieferanten sowie die Implementierung eines Systems zur Visualisierung und Steuerung der Risiken möglicher Lieferkettenstörungen.
Risiken aus der strategischen Flottendimensionierung
Die strategische Dimensionierung der Konzernflotte bestimmt die verfügbare Kapazität und einen wesentlichen Teil der Fixkosten sowie der zukünftigen Investitionen. Risiken wie Nachfrageschwankungen, Kostensteigerungen und Auslieferungsverzögerungen können zu Planabweichungen führen und das Ergebnis der Lufthansa Group belasten. Die Lufthansa Group prüft jährlich und bei Bedarf unterjährig die Flottenentwicklung und passt diese an. So können Flugzeuge verkauft oder geparkt, Bestellungen storniert, Auslieferungen verschoben oder Leasing-Verträge beendet beziehungsweise kurzfristig abgeschlossen werden.
Flugbetriebsrisiken
Die Fluggesellschaften der Lufthansa Group sind potenziellen Flug- und technischen Betriebsrisiken ausgesetzt. Einerseits zählt dazu das Risiko, den Flugbetrieb aus technischen oder externen Gründen nicht regelmäßig abwickeln zu können. Andererseits besteht das Flugunfallrisiko mit der Gefahr von Sach- und Personenschäden, unterteilt in Umwelt-, Technik-, Organisations- und Humanfaktoren.
Die systematische Identifikation und Analyse von Risiken ermöglicht die Entwicklung geeigneter Abwehrmaßnahmen, um das Flugsicherheitsniveau stetig zu erhöhen. So wird beispielsweise jeder einzelne Flug anhand aufgezeichneter Telemetriedaten routinemäßig analysiert. Besonderheiten werden dadurch frühzeitig erkannt und beispielsweise im Rahmen von Schulungsmaßnahmen aufgegriffen. Auch andere Informationsquellen wie zum Beispiel Vor- und Unfallberichte werden geprüft und die Erkenntnisse gegebenenfalls in Abwehrmaßnahmen integriert. Die etablierten Sicherheitsmanagementsysteme werden laufend verbessert und weiterentwickelt, um die Risikoexposition der Fluggesellschaften der Lufthansa Group zu reduzieren. Durch den laufenden Austausch zwischen den Fluggesellschaften der Lufthansa Group werden die im jeweiligen operationellen Umfeld gewonnenen Erkenntnisse konsolidiert und bei der Entwicklung entsprechender Standards berücksichtigt.
Auch Risiken im Zusammenhang mit der Informationssicherheit im Flugbetrieb werden berücksichtigt. Dies betrifft die relevanten IT-Systeme an Bord und am Boden sowie relevante Datenaustauschprozesse. Informationssicherheitsanforderungen der Zivilluftfahrt sind in neuen Regularien beschrieben, die im Jahr 2026 in Kraft treten und von der Lufthansa Group vollumfänglich umgesetzt werden.
Cyber- und IT-Risiken
Cyber-Risiken sind alle Risiken, denen Computer- und Informationsnetzwerke, die Boden- und Bord-IT-Infrastruktur sowie alle IT-gestützten Geschäfts- und Produktionsprozesse durch Sabotage, Spionage oder sonstige kriminelle Handlungen ausgesetzt sind. Die Geschäftsprozesse der Lufthansa Group werden in nahezu allen Bereichen durch IT-Komponenten unterstützt. Mit dem IT-Einsatz gehen zwangsläufig Risiken für die Stabilität der Geschäftsprozesse sowie für die Verfügbarkeit, Vertraulichkeit und Integrität von Informationen und Daten einher.
Cyber-Angriffe nehmen weltweit zu und werden zunehmend professionalisiert. Gleichzeitig erhöht sich der Digitalisierungsgrad der Geschäftsprozesse in der Lufthansa Group, sodass die potenziellen Auswirkungen von Cyber-Angriffen ebenfalls zunehmen und das damit verbundene Risikopotenzial entsprechend wächst. Wenn die etablierten Sicherheitsmaßnahmen versagen, können der Lufthansa Group Reputationsschäden sowie Zahlungsverpflichtungen aus vertraglichen und gesetzlichen Ansprüchen von Kundinnen und Kunden, sonstigen Vertragspartnern und Behörden entstehen. Zudem sind Erlösminderungen beim Ausfall operativer Systeme denkbar.
Die Lufthansa Group beobachtet kontinuierlich die weltweite, branchenspezifische und konzernweite IT-Sicherheitslage. Auf dieser Basis implementiert sie Maßnahmen zur Stärkung der IT-Sicherheit. Technologische Werkzeuge zur Prävention von Cyber-Attacken sowie zur schnellen Reaktion auf solche werden weiterentwickelt, Prozesse an die sich verändernde Bedrohungslage und die veränderte hybride Arbeitsform angepasst und Awareness-Trainings jährlich von den Mitarbeitenden durchgeführt, um die Cyber-Resilienz innerhalb der Lufthansa Group zu stärken. Dies umfasst auch die Mitigation von neuen, durch die Digitalisierung von Flugzeugen bedingten Risiken. Entsprechend der aktuellen Risikobewertung werden konzernweit Maßnahmen definiert und umgesetzt, die in den IT-Systemen und -Prozessen auch die Partner und Provider der Lufthansa Group berücksichtigen und die bereits positiv zur Risikominderung beitragen. Darüber hinaus überwacht die Lufthansa Group ihre eigene Cyber Security Performance sowie die wichtiger Dienstleister mithilfe eines externen, neutralen Cyber Security Ratings. Damit ist sie in der Lage, das Sicherheitsniveau des Konzerns mit anderen Branchenmitgliedern oder Industrien zu vergleichen.
IT-Risiko- und IT-Security-Prozesse sind geschäftsfeldübergreifend organisiert. Der Status der IT-Risiken und der IT-Security wird jährlich erhoben, auf Konzernebene konsolidiert und im Risikomanagementausschuss der Lufthansa Group behandelt. Das Informations-Sicherheits-Management-System (ISMS) der Kernprozesse (unter anderem Fluggastabfertigung, Vielfliegerprogramm, Logistik, Technik und IT) der Lufthansa Group ist nach ISO 27001 zertifiziert.
Die Lufthansa Group bezieht ihre IT-Infrastruktur überwiegend von unternehmensexternen Dienstleistern. Die mit einer solchen Fremdvergabe naturgemäß einhergehenden operativen und kommerziellen Risiken werden fortlaufend bewertet und gesteuert.
Risiken aus Verstößen gegen Datenschutzvorschriften
Um die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu erfüllen, haben sich alle Konzerngesellschaften im Geltungsbereich der DSGVO durch entsprechende Governance-Strukturen und Prozesse darauf eingestellt, potenzielle Risiken durch Verstöße gegen die umfangreichen gesetzlichen Vorgaben zu erkennen und zu steuern. Darüber hinaus werden auch Risiken berücksichtigt, die sich aus ausländischen Vorschriften ergeben.
Compliance-Risiken
Compliance beschreibt die Einhaltung rechtlich verbindlicher Vorgaben und soll für rechtmäßiges Verhalten des Unternehmens, seiner Leitungsorgane und Mitarbeitenden sorgen. Die Wirksamkeit des Compliance Management Systems (CMS) ist daher von zentraler Bedeutung für die Lufthansa Group. ↗ https://investor-relations.lufthansagroup.com/de/corporate-governance.html.
Die Lufthansa Group ist weltweit aktiv und unterliegt entsprechend verschiedenen rechtlichen Regelungen, unter anderem im Bereich des Korruptionsstrafrechts. Sämtliche Tätigkeiten müssen nicht nur den jeweiligen Rechtsvorschriften, sondern auch kulturellen Gepflogenheiten und Sozialkonventionen entsprechen. Verstöße werden streng verfolgt und können für die betroffenen Personen strafrechtliche Konsequenzen haben. Für die Lufthansa Group bedeuten solche Verstöße ein substanzielles Risiko von Straf- beziehungsweise Bußgeldern. Hinzu kommen mögliche Reputationsschäden und deutliche Nachteile bei Bewerbungen um öffentliche Aufträge. Die Lufthansa Group hat daher Prozesse zur Identifikation und Prävention von Compliance-Risiken, besonders im Bereich Korruption, implementiert. Die Vorgaben umfassen insbesondere Regelungen zum transparenten Umgang mit Geschäftspartnern und Amtsträgern sowie Maßnahmen zur Vermeidung von Interessenkonflikten.
Die Lufthansa Group sieht sich auch wettbewerbs- und kartellrechtlichen Risiken ausgesetzt. Diese ergeben sich insbesondere daraus, dass sie in von Oligopolen geprägten Märkten tätig ist und in einigen dieser Märkte eine starke Position innehat. Darüber hinaus kooperiert die Lufthansa Group in Allianzen mit Wettbewerbern. Diese Zusammenarbeit unterliegt zum Teil der Freigabe durch Wettbewerbsbehörden. In einigen Geschäftsbereichen der Lufthansa Group sind Mitarbeitende von Lieferanten und Wettbewerbern einerseits sowie Kundinnen und Kunden andererseits personenidentisch. Im Rahmen der Competition-Compliance adressiert die Lufthansa Group die Risiken kartellrechtswidrigen Verhaltens und schult die Leitungsorgane und Mitarbeitenden umfangreich.
Als börsennotierte Aktiengesellschaft unterliegen die Gesellschaften der Lufthansa Group strengen kapitalmarktrechtlichen Vorgaben, darunter dem Insiderhandelsverbot, dem Verbot der Marktmanipulation, den Ad-hoc-Publizitätspflichten gemäß der EU-Marktmissbrauchsverordnung (MAR) sowie weiteren nationalen und europäischen Vorschriften. Die Lufthansa Group trifft zahlreiche organisatorische Vorkehrungen zur Einhaltung der Regelungen der MAR. Hierzu zählen der Einsatz spezieller Software zum Führen von Insiderlisten und zur Veröffentlichung etwaiger Ad-hoc-Mitteilungen sowie die Bereitstellung entsprechender Richtlinien, Informationsschreiben und Prozessbeschreibungen. Darüber hinaus hat das Corporate Compliance Office eine webbasierte Schulung bereitgestellt. Diese richtet sich an Mitarbeitende, die durch Insider- und Marktmissbrauchsrecht besonders betroffen sind. Sachverhalte im Zusammenhang mit der Ad-hoc-Publizität werden zudem mit dem Ad-hoc-Komitee unter Hinzuziehung externer Expertinnen und Experten abgestimmt.
Das Corporate Compliance Office hat zudem eine konzernweite digitale Compliance-Risikoanalyse eingeführt. Diese unterstützt die operativ tätigen Unternehmen der Lufthansa Group dabei, Compliance-Risiken im Rahmen eines jährlichen Self-Assessments systematisch zu identifizieren und zu bewerten sowie anschließend risikominimierende Maßnahmen zu dokumentieren und zu implementieren.
Das CMS der Lufthansa Group umfasst risikomindernde Maßnahmen, um Regelverstöße so weit wie möglich auszuschließen. Dennoch können einzelne Verstöße – insbesondere bei der Integrity-, Competition- und Kapitalmarkt-Compliance – sowie diesbezügliche behördliche Ermittlungen und Sanktionen nicht vollständig ausgeschlossen werden. Die regelmäßige Kommunikation der Compliance-Vorgaben und risikoorientierte Schulungen fördern ein angemessenes Risikobewusstsein in der Lufthansa Group. Ein Hinweisgebersystem ermöglicht über ein elektronisches System und Ombudspersonen die Abgabe von Verdachtsmeldungen, die sich auf wirtschaftskriminelle Handlungen oder Verstöße gegen die Compliance-Regelungen beziehen.
Gerichts-, Verwaltungs- und Schiedsverfahren
Die Lufthansa Group ist Risiken aus Gerichts-, Verwaltungs- und Schiedsverfahren ausgesetzt. Aufgrund der gegebenenfalls beeinträchtigenden Wirkung wird auf die Quantifizierung dieser Risiken gemäß DRS 20 Tz. 154 verzichtet. Es ist nicht auszuschließen, dass der Ausgang dieser Verfahren der Geschäftstätigkeit der Lufthansa Group oder ihrer Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage erheblichen Schaden zufügen könnte. Für eventuelle finanzielle Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten wurden in angemessener Höhe Rückstellungen gebildet. Nähere Informationen zu Rückstellungen für Prozesse und zu Eventualverbindlichkeiten sind im ↗ Konzernanhang, Erläuterung 36 und Erläuterung 46 zu finden.
Darüber hinaus hat die Lufthansa Group eine Haftpflichtversicherung für die Abwehr unberechtigter sowie die Befriedigung berechtigter gegen sie gerichteter gesetzlicher Haftpflichtansprüche privatrechtlichen Inhalts in einer Höhe abgeschlossen, die das Management für angemessen und branchenüblich hält. Dieser Versicherungsschutz bewahrt die Lufthansa Group allerdings auch in solchen Fällen nicht vor etwaigen Reputationsschäden. Außerdem könnten auch aus solchen Rechtsstreitigkeiten und -verfahren Aufwendungen entstehen, die über die Versicherungssumme hinausgehen, nicht durch den Versicherungsschutz abgedeckt sind oder etwaige bereits gebildete Rückstellungen übersteigen. Schließlich kann – je nach Art und Umfang zukünftig eintretender Schäden – nicht garantiert werden, dass die Lufthansa Group auch künftig adäquaten Versicherungsschutz zu wirtschaftlich angemessenen Bedingungen erhalten wird.
Ryanair hat gegen die Beihilfeentscheidung, mit der die Europäische Kommission die Stabilisierungsmaßnahmen für Gesellschaften der Lufthansa Group genehmigt hat, Nichtigkeitsklage beim Gericht der Europäischen Union erhoben. Im Mai 2023 hat das Gericht der Europäischen Union der Nichtigkeitsklage im Hinblick auf die der Deutschen Lufthansa AG vom Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesrepublik Deutschland gewährte Stabilisierung in Höhe von 6 Mrd. EUR stattgegeben und die entsprechende Beihilfeentscheidung der Europäischen Kommission wegen materieller Rechtsfehler aufgehoben. Die Deutsche Lufthansa AG hat gegen das Urteil ein Rechtsmittel beim Europäischen Gerichtshof einlegt. Wie in ähnlich gelagerten Fällen hat die Europäische Kommission im Juli 2024 ein förmliches Prüfverfahren eröffnet. Da die Stabilisierungsmaßnahmen bereits beendet sind und die Deutsche Lufthansa AG die ihr gewährten Stabilisierungsmittel vollständig zurückgezahlt hat, besteht kein weitergehendes Rückzahlungsrisiko. Mittelbare Folgen können die Forderung von Rückforderungszinsen für den Zeitraum zwischen Gewährung und Rückzahlung der Stabilisierungsmittel, aber auch Auflagen einer neuen Beihilfeentscheidung sein.
Luxair und Condor haben jeweils im Berichtsjahr (Teil-)Nichtigkeitsklagen beim Gericht der Europäischen Union erhoben. Diese betreffen die Entscheidungen, mit denen die Europäische Kommission den möglichen Kontrollerwerb an ITA Airways durch die Lufthansa Group sowie das Auflagenpaket („Remedies“) und die Auswahl der „Remedy-Taker“ genehmigt hat. Sollten die Klagen erfolgreich sein, besteht die Möglichkeit der Berufung zum Europäischen Gerichtshof. Zudem ist in diesem Fall davon auszugehen, dass die Europäische Union nach einem förmlichen Prüfverfahren eine erneute Genehmigungsentscheidung trifft, gegebenenfalls mit revidierten Auflagen.
Die Lufthansa Group unterliegt in zahlreichen Ländern den jeweils geltenden steuerlichen Rechtsvorschriften. Durch Änderungen der jeweiligen Steuergesetze und deren Rechtsprechung sowie unterschiedliche Auslegungen im Rahmen von Betriebs- und Lohnsteueraußenprüfungen können sich Risiken und Chancen mit Auswirkungen auf Steueraufwendungen, -erträge, -forderungen und -verbindlichkeiten ergeben. Der Bereich Konzernsteuern identifiziert, bewertet und überwacht steuerliche Risiken und Chancen frühestmöglich und systematisch und initiiert gegebenenfalls risikomitigierende Maßnahmen.
Risiken aus regulatorischen Rahmenbedingungen
Politische Entscheidungen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene beeinflussen die gesamte Luftfahrt erheblich. Die Vielzahl an Vorschriften und Regelungen (zum Beispiel zu Nachhaltigkeitszielen, Steuern, Gebühren oder Zöllen) führt zu einem fragmentierten Regelwerk und kann zu Wettbewerbsverzerrungen und Standortnachteilen führen. Die Lufthansa Group begleitet politische Entscheidungsprozesse aktiv, auch in Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, Verbänden und Gewerkschaften. Besonders wichtige Ziele sind dabei aktuell eine Senkung der staatlichen Standortkosten in Deutschland sowie eine wettbewerbsneutrale Ausgestaltung der europäischen Klimaschutzpolitik.
Regulatorische Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel
Mit dem „Fit for 55“-Paket gehen weitreichende Verpflichtungen zur Reduzierung von CO2-Emissionen für die Luftfahrtbranche in Europa einher. Dies führt zu steigenden Standortkosten und birgt erhebliche Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit. Ursächlich hierfür sind insbesondere die Beimischungsquoten für nachhaltige Flugkraftstoffe (Sustainable Aviation Fuels – SAF), die Revision des Emissionshandelssystems (Emission Trading System, ETS), Verpflichtungen zur CO2-Kompensation im Rahmen von CORSIA (Carbon Offsetting and Reduction Scheme, for International Aviation) sowie die mögliche Einführung einer einheitlichen Mindestbesteuerung für Flugkraftstoffe (EU-Kerosinsteuer).
Mit der ReFuelEU Aviation-Verordnung gilt in der EU seit Jahresbeginn eine Quote für SAF, die bis zum Jahr 2050 stufenweise steigen soll. Eine Subquote für synthetische Kraftstoffe (Power to Liquid, PtL) greift ab 2030. SAF sind deutlich teurer als konventioneller Flugkraftstoff. Hinzu kommt, dass PtL-Kraftstoffe bisher nur in kleinen Mengen verfügbar sind. Ein schnelles Hochfahren der Produktion ist derzeit nicht absehbar, weshalb eine Angebotsknappheit droht. Insgesamt wird dies die Kraftstoffkosten für die Lufthansa Group erhöhen. Da die SAF-Quoten nur für Flüge ab EU-Flughäfen gelten, führen sie im interkontinentalen Flugverkehr zu einer weiteren Wettbewerbsverzerrung zulasten europäischer Netzwerk-Airlines. Außereuropäische Fluggesellschaften mit Umsteigeflughäfen in der Nähe von Europa müssen die SAF-Quote nur auf der Teilstrecke aus Europa zu ihren Drehkreuzen erfüllen. Eine Verlagerung von Verkehrsströmen und Emissionen (Carbon-Leakage-Effekt) zu Drehkreuzen außerhalb Europas ist die Folge.
Der Luftverkehr innerhalb der EU ist bereits Teil des EU-ETS. Die Revision des ETS droht über zusätzliche Auflagen zu steigenden Kosten für die Lufthansa Group zu führen. Das gilt insbesondere für die Absenkung der Emissionsobergrenze, des sogenannten Caps, sowie für die Abschaffung der bisherigen kostenfreien Zuteilung von Emissionsberechtigungen. Die Verschärfung des ETS induziert eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung. Perspektivisch plant die EU-Kommission die Einbeziehung von sogenannten Nicht-CO2-Effekten, beispielsweise Kondensstreifenbildung und Stickstoff-Emissionen. Gegebenenfalls können betriebliche Maßnahmen die Klimawirkung mindern. Diesbezügliche Untersuchungen haben gerade erst begonnen. Der Schwerpunkt der Regulierung liegt daher bis auf Weiteres auf dem CO2-Ausstoß.
Die Einführung einer EU-weiten Mindestbesteuerung von Kerosin ist Gegenstand politischer Diskussionen. Zuletzt hat der EU-Rat die Steuerbefreiung für Kerosin bis 2035 verlängert. Die Einführung der Mindestbesteuerung, die einen einstimmigen Beschluss des EU-Rates voraussetzt, würde das bestehende globale Wettbewerbsgefälle massiv verschärfen.
Neben weitreichenden Maßnahmen zur Begrenzung des CO2-Ausstoßes, wie zum Beispiel der kontinuierlichen Erneuerung der Flotte, dem Einsatz von nachhaltigen Flugkraftstoffen und dem Ausbau freiwilliger CO2-Kompensationsmöglichkeiten für die Fluggäste, bringt sich die Lufthansa Group – auch zusammen mit anderen europäischen Airlines, Flughäfen und Branchenverbänden – in die öffentliche Diskussion ein und wirbt in diesem Kontext proaktiv für wettbewerbsneutrale Regulierungen.
Darüber hinaus sieht sich die Lufthansa Group mit einem stetig steigenden bürokratischen Aufwand zur Erfüllung von Umweltvorgaben konfrontiert. ↗ Zusammengefasste nichtfinanzielle Erklärung.
Finanzwirtschaftliche Risiken
Finanzwirtschaftliche Entwicklungen stellen Chancen und Risiken für die Lufthansa Group dar. So können negative Entwicklungen der Treibstoffpreise, Devisenkurse und Zinsen im Vergleich zu den in der Planung und Prognose unterstellten Annahmen die Aufwände erhöhen und/oder die Erträge verringern.
System des finanzwirtschaftlichen Risikomanagements für Treibstoffpreise, Devisenkurse und Zinsen
Finanz- und Rohstoffpreisrisiken werden auf Basis interner Richtlinien systematisch und zentral für den gesamten Konzern gemanagt. Die dabei eingesetzten derivativen Finanzinstrumente zielen darauf ab, Grundgeschäfte abzusichern. Die Lufthansa Group arbeitet hierbei im Grundsatz mit Partnern zusammen, die mindestens über ein Investment-Grade-Rating analog der Bewertung „BBB–“ der Agentur Standard & Poor’s oder ein vergleichbares Langfristrating verfügen. Alle Grund- und Sicherungsgeschäfte werden in Treasury-Systemen abgebildet, sodass sie jederzeit bewertet und überwacht werden können. Die Funktionen des Handels, der Abwicklung und des Finanzrisikocontrollings sind organisatorisch strikt voneinander getrennt. Die ausführenden Abteilungen und das Finanzrisikocontrolling stellen sicher, dass die Vorgaben der internen Richtlinien eingehalten werden. Darüber hinaus wird die aktuelle Sicherungspolitik laufend in bereichsübergreifenden Managementgremien erörtert. ↗ Konzernanhang, Erläuterung 45.
Treibstoffpreisänderungen
Der Treibstoffaufwand stellte 2025 mit 7,3 Mrd. EUR einen wesentlichen Kostenfaktor für die Lufthansa Group dar. Starke Veränderungen der Treibstoffpreise können das Ergebnis erheblich beeinflussen. Eine Veränderung des Kerosinpreises im Vergleich zum Jahresendkurs 2025 um +10 % (-10 %) würde den Treibstoffaufwand der Lufthansa Group im Geschäftsjahr 2026 voraussichtlich um 409 Mio. EUR (283 Mio. EUR) nach Sicherung erhöhen (senken).
Grundsätzlich setzt die Lufthansa Group eine regelbasierte Treibstoffpreissicherung mit einem Zeithorizont von bis zu 24 Monaten ein. Der Zielsicherungsgrad der Treibstoffpreissicherung betrug zum 31. Dezember 2025 85 % für die Passagier-Airlines. Ziel ist es, die Schwankungen der Treibstoffpreise zu verringern. Bei der Treibstoffpreissicherung bedient sich die Lufthansa Group üblicher Finanzmarktinstrumente. Sicherungen erfolgen aus Gründen der Marktliquidität grundsätzlich mehrheitlich in Gasöl sowie in Rohöl und mit Optionskombinationen. Dabei wird ein unvollständiger Schutz vor einem Preisanstieg in Kauf genommen, um an einem eventuellen Preisverfall möglichst weitreichend partizipieren zu können. Durch den Abschluss von Gasölsicherungen in Kombination mit rohölbasierten Sicherungen wird das Preisdifferenzrisiko zu Kerosin in höherem Maße als in der Vergangenheit adressiert. Die abgeschlossenen Instrumente führen nicht zu physischen Lieferungen, sondern werden durch Zahlungen ausgeglichen. Zum 31. Dezember 2025 bestanden für rund 76 % des voraussichtlichen konzernweiten Treibstoffbedarfs des Jahres 2026 Rohöl-, Gasöl und Kerosinpreissicherungen in Form von Optionen und unbedingten Termingeschäften. Für das Jahr 2027 bestanden zu diesem Zeitpunkt für rund 29 % des voraussichtlichen Treibstoffbedarfs Sicherungen. Da der Treibstoff in US-Dollar abgerechnet wird, können Schwankungen im US-Dollar-Wechselkurs den ausgewiesenen Treibstoffaufwand zusätzlich positiv oder negativ beeinflussen. Das US-Dollar-Exposure aus dem geplanten Treibstoffbedarf ist in der Währungssicherung berücksichtigt.
Wechselkursänderungen
Fremdwährungsrisiken für die Lufthansa Group ergeben sich insbesondere aus internationalen Flugticketverkäufen und dem Einkauf von Treibstoff, Flugzeugen und Ersatzteilen. Alle Tochtergesellschaften melden grundsätzlich ihre geplanten Währungsexposures mit einem Zeithorizont von mindestens 24 Monaten. Auf Konzernebene wird eine aggregierte Nettoposition je Währung gebildet und so die Möglichkeit des „natural hedging“ genutzt. Unter den Fremdwährungen, für die Sicherungen abgeschlossen werden, ist der US-Dollar die einzige Währung, für die ein Nettobedarf besteht. Der operative Nettobedarf des Jahres 2026 in Höhe von 4,3 Mrd. USD war zum 31. Dezember 2025 zu 57 % gesichert. ↗ Konzernanhang, Erläuterung 45.